Geschichte unserer Ägidiuskirche
Über das Leben des Namensgebers unserer Kirche ist wenig bekannt. Nach Überlieferungen soll er im 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts in Griechenland geboren sein. Am 1. September 720 ist er gestorben. Sein Grab befindet sich in der Krypta der Abteikirche von St. Gilles bei Arles in Südfrankreich.
1275 Erste Erwähnung der Kirche im Zehntbuch des Bistum Konstanz aus dem Jahr 1275 (Liber decimationes) Dort waren alle Pfarreien aufgeführt, sowie ihre Zahlungen und Rückstände. Zum Bistum Konstanz gehörten 1.700 Pfarreien, auch Hattenhofen gehörte dazu. In diesem Steuerverzeichnis ist Hattenhofen erwähnt und wird zur Zahlung verpflichtet. Das heißt, Hattenhofen muss um 1.275 schon eine Kirche oder Kapelle und einen Priester gehabt haben
1538 Mit Einführung der Kirchenordnung verliert das katholische Stift Oberhofen seine Selbständigkeit. Alle Rechte gehen an das Haus Württemberg. Die Güter des Stifts in Göppingen und die des Klosters Adelberg wurden nun von der herzoglichen Rentkammer verwaltet. Herzog Ulrich befahl, den letzten katholischen Pfarrer Johann Ilsenbrand abzulösen. Ein Evangelischer Pfarrer Caspar Leyser wurde in Hattenhofen eingesetzt.
1547 1548 Gab es eine Auseinandersetzungen im Kampf um den Glauben die wesentlich katholischen Charakter trug. So wurden die meisten evangelischen Pfarrer wieder ihres Dienstes enthoben und katholische Geistliche traten an ihre Stelle. Auch der erste evangelischer Pfarrer Caspar Leyser wurde auf Anordnung des Kaisers Karl IV. zum 1. Januar 1549 also nach zwei Jahren vom Herzog wieder entlassen.
1549 Die Hattenhöfer Bürger konnten den evang. Pfarrer Schrewell aus Schlierbach gewinnen, der dort entlassen worden ist. Doch er wurde auch in Hattenhofen nicht geduldet. Die Hattenhofer Bauern hatten sich während des Bauernkrieges sehr aktiv gezeigt unter der Führung des protestantischen Pfarrers. Er war bis 1556 in Hattenhofen tätig.
1618 bis 1648 Dreißigjähriger Krieg.
Mitten im dreißigjährigen Krieg war Hattenhofen von Hungersnot und Pest gebeutelt. Von 600 Einwohner lebten 1637 noch ca. 30-40 Einwohner. Am Ende des Krieges 1648 ist ein Großteil der Gebäude abgebrannt und lag in Schutt und Asche. Rathaus und Kirche waren so stark beschädigt, dass sie mehrere Jahre nicht mehr benützt werden konnten.
1652 Die Kirche ist nach Zerstörung wieder instandgesetzt. Der damalige Bürgermeister Bosch sagte 1654, also sechs Jahre nach Kriegsende bei einer Gerichtsverhandlung aus, er habe in jüngster Zeit die Kirche wieder aufbauen lassen, so dass sie wieder benützt werden kann. Dass die Kirche im Dreißigjährigen Krieg nicht völlig zerstört wurde, geht jedoch aus der Tatsache hervor, dass bei Arbeiten an der Nordwand 1920 Wandgemälde freigelegt wurden, die allerdings nicht gut erhalten waren.
Zwischen 1700 und 1800 wurden größere Reparaturen an der Kirche notwendig. Das Schiff wurde in dieser Zeit verändert. Chor und Schiff erhielten neue Holzfederdecken. Aus dieser Zeit stammen auch die barocken Fenster in den Längsseiten und die Emporen mit Außenaufgängen, sowie eine Kanzel mit einem geschnitzten Schalldeckel.
Diese Ausstattung hatte sich bis 1930 gehalten.
1719 Wann die ersten Glocken angeschafft wurden ist nicht bekannt. Von den drei Glocken die bis zum 1. Weltkrieg erklangen, stammt die kleinere aus dem Jahre 1808. Sie wurde in Ludwigsburg hergestellt. Die große Glocke aus dem Jahre 1858. Stammt von der Firma Kurz in Stuttgart
1830 Kirchturm bekommt ein neues Dach. Kirchturm wird verkürzt. Er misst heute 26,70 m, davon 2,25 Turmzieher.
1850 Reparaturen Mauern und Wände der Kirche wurden erneuert und repariert. Fensternischen mussten anders ausgehauen werden, damit mehr Helligkeit in die Kirche kommt.
1885 stiftete der Hattenhofer E.J. Siller zwei Öfen für die Kirche. Bis dahin verstand man es als fromme Christenpflicht in der Kirche zu frieren. Damit es im Winter zum Gottesdienst halbwegs erträglich war, musste der Mesner sonntags um 4 Uhr morgens aufstehen und die Öfen anheizen.
1886/97 Orgel Die Kirche bekommt eine neue Orgel mit 596 Pfeifen. Sie wurde vom Göppinger Orgelbauer Karl Schäfer gefertigt und kostete damals 3.000 Mark. Schülerinnen und Schüler wurden herangezogen um den Blasbalg zu treten.
1914 Beginn erster Weltkrieg, 1917 die beiden großen Glocken müssen zum einschmelzen abgegeben werden. Nach dem Krieg konnten durch eine Stiftung von E.J. Siller wieder zwei Glocken angeschafft werden.
1920 Umfassende Innenrenovierung. Wandgemälde aus dem 14. oder 15. Jh. Wurden an der Nordseite des Schiffes freigelegt.
1930 Kirchenerneuerung, in 6 Monaten wird die Kirche gründlich renoviert. An der Westseite um 3,5 Meter verlängert. In diesem Anbau wurde das Treppenhaus eingebaut.
· Die Außentreppen zur Empore wurden beseitigt.
· Die Emporen wurden neu eingebaut, sowie eine Holzdecke.
· Die Eingangstüren wurden verlegt.
· Der neue Altar aus Maulbronner Sandstein wurde gesetzt.
· Das Gestühl wurde von örtlichen Schreinern neu angefertigt.
· Das Kruzifix erhielt ein neues Kreuz und einen neuen Platz.
· Emporen wurden neu eingebaut, sowie eine Holzdecke.
Kirchweihe war am 19. Oktober 1930. Bis zur Fertigstellung der Kirche wurde in der Turnhalle Gottesdienst gefeiert.
1950 Nach einer Stiftung Jakob Gallus, aus Portland wurden zwei neue Glocken angeschafft, am 14. August montiert und am 20.08.1950 eingeweiht.
1964 wurden im Chor Fresken entdeckt die dem Jahr 1450 zugerechnet werden. Die Restaurierung wurde aus finanziellen Gründen einem späteren Zeitpunkt verschoben und darauf warten wir heute noch.
1975 wird das Kupferdach des Kirchturmes wird vollkommen erneuert. Es war so undicht, dass bei Regen das Wasser bis auf den Altar tropfte. Durch den Einbau eines neuen Registers und dem Auswechseln einer Mixtur wurde der Klang der Orgel aufgehellt.
1979 Durch die Demontage zweier Bänke und der Brüstung konnte der Altarraum erweitert werden. Die Bänke bekommen eine Polsterung.
1980 der kleine Anbau, links neben dem Eingang wird fertig gestellt. Er enthält ein WC und einen Putzraum. Erleichterung für den Mesner, das Putzwasser kann nun direkt in der Kirche entnommen werden. Außerdem werden die alten Kokosmatten in der Kirche durch einen Teppichboden ersetzt. Am 18.+19. Oktober findet ein Gemeindefest zur Erinnerung an die Kirchenrenovierung vor 50 Jahren statt.
1994 Orgelrenovierung und klangliche Rückführung in den Originalzustand durch Christoph Reichel Hochdorf. Kosten 115.743,48 DM. Zusätzlich war eine Holzwurmbehandlung der Orgel, des Kirchengestühls und des Gebälks im Dachboden notwendig, was weitere Kosten von 49.381,61 DM nach sich zog.
2019 Dachstuhlsanierung
2020 Innenrenovierung nach mehreren Bauverzögerungen konnte die neu renovierte Kirche schließlich am 25. + 26.September 2021 eingeweiht werden.
Die Agidiuskirche in Hattenhofen, damals und heute
Geschaffen im Rahmen einer Spendenaktion von der Hattenhofer Künstlerin "Ingrid Bögel"
Das Kruzifix,
das heute gleich neben dem Eingang hängt, wurde 1682 von Daniel Hackh, einem Anwalt zu Hattenhofen gestiftet. Es wurde dann 1850 durch eine Spende von Ulrich Lutz erneuert und 1964 sorgfältig restauriert und neu vergoldet. Vor der Kirchen-renovierung 1930 hatte es seinen Platz direkt hinter dem Altar.
Taufstein von 1793
Noch heute steht in der Kirche der Taufstein von 1793. Auf einem, viereckigen Schaft ruht ein achteckiges Bassin
Die Gedenktafel,
neben der Kanzel gilt dem Hattenhofer Bürger Georg Hausch, der es zu Amt und Würden gebracht hatte. Er hatte in Straßburg studiert, 1634 die Prüfung abgelegt und war der erste nachweis-bare Student des Dorfes. Später war er Prälat in Königsbronn. Er ist 1678 gestorben.
Gedankstein an einen ehemaligen Pfarrer am Kirchturm.